Ab wann brauche ich Personal für mein Maklerbüro?

Früher oder später steht jeder Immobilienmakler vor der Frage, ob er seine Aufgaben noch ausreichend leistungsfähig alleine bewältigen kann, oder ob er sich Unterstützung einkaufen und Personal einstellen muss. Diese Frage sollte aufgrund der hohen Kosten aber sehr gut überlegt sein. Im folgenden Artikel versuchen wir, Ihnen einige Entscheidungshilfen für diese Frage an die Hand zu geben.

Wenn Sie mit Ihrer Tätigkeit als Immobilienmakler gerade erst begonnen haben, werden Sie Ihre Aufgaben zunächst noch recht gut alleine bewerkstelligen können. Doch sobald sich Ihre Auftragslage verbessert und Sie die ersten Kunden gewonnen haben, werden Sie sehr bald in die Situation kommen, dass Sie einen großen Teil Ihrer Zeit für Tätigkeiten brauchen, die auch jemand anderes für Sie erledigen könnte: Sie denken zum ersten Mal darüber nach, Personal einzustellen.

Bedenken Sie hierbei aber, dass Sie in der gesparten Zeit das Geld für das zusätzliche Personal erwirtschaften müssen, sonst geht die Rechnung nicht auf. Machen Sie sich deshalb gründlich Gedanken darüber, ob Sie es sich tatsächlich leisten können, zusätzliche Arbeitskräfte einzustellen.

Vorteile von zusätzlichem Personal

– Sie können sich auf Ihre Kernkompetenzen konzentrieren. Durch die mögliche Arbeitsteilung können Sie Ihre eigene Zeit zielorientierter einsetzen und sich verstärkt um Ihre eigentlichen Kernthemen kümmern wie Neukundengewinnung, Objektakquise oder auch Geschäftstermine.

– Der als Immobilienmakler immens wichtige Faktor der Erreichbarkeit lässt sich durch die Einstellung von Mitarbeitern erheblich optimieren (siehe Artikel “Erreichbarkeit als Faktor zum Erfolg“).

– Durch die Einstellung von Fachkräften können Sie bestimmte Themenbereiche effizienter und/oder fachtechnisch versierter erledigt bekommen, als Sie das selbst könnten.

– Manche Kunden haben einen besseren bzw. seriöseren Eindruck von Ihnen, wenn sie bemerken, dass Sie Personal haben.

Nachteile von zusätzlichem Personal

– Als größter Nachteil ist die hohe finanzielle Belastung zu nennen. Neben den Lohnkosten für Ihren neuen Mitarbeiter müssen Sie zusätzlich die Lohnnebenkosten aufwenden. Dazu finden Sie im nächsten Absatz zwei beispielhafte Berechnungen.

– Je nach Arbeitsvertrag könnten auch noch weitere Kosten wie Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld oder vermögenswirksame Leistungen hinzukommen.

– Es besteht zudem ein Risiko, dass Sie einen Mitarbeiter einstellen, der Ihre Erwartungen nicht erfüllt und den Anforderungen nicht gewachsen ist oder nicht so viel leistet, wie Sie sich erhofft bzw. errechnet haben.

Berechnungsbeispiele für Lohnnebenkosten

Neben den gewöhnlichen Lohnkosten, also dem Bruttoarbeitslohn für Ihren neuen Mitarbeiter, fallen für Sie als Arbeitgeber noch zusätzliche Nebenkosten an. Im Falle einer gewöhnlichen Anstellung betragen diese:

  • Arbeitgeberanteil zur gesetzlichen Krankenversicherung (7,3%)
  • Arbeitgeberanteil zur Rentenversicherung (9,45%)
  • Arbeitgeberanteil zur Arbeitslosenversicherung (1,5%)
  • Arbeitgeberanteil zur Pflegeversicherung (1,025%)
  • Arbeitgeberanteil zur gesetzlichen Unfallversicherung (ca. 1,6%, abhängig vom Unfallrisiko)
  • Umlage für Krankheitsaufwendungen („U1“)
    Hier handelt es sich um eine Art Versicherung für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Erkrankt Ihr Mitarbeiter müssen Sie für 6 Wochen Lohn und Lohnnebenkosten aus Ihrer Tasche aufbringen. Bei Zahlung der U1 erhalten Sie von der Krankenkasse den vereinbarten Prozentsatz des Bruttoarbeitslohns erstattet – je nach Abschluss zwischen 40 und 80%. Der Abschluss ist freiwillig.
  • Umlage für Mutterschaftsaufwendungen („U2“)
    Diese Umlage ist eine Pflichtumlage und muss für alle Arbeitsverhältnisse gezahlt werden – egal ob männlich oder weiblich. Die Höhe ist abhängig von der Satzung der Krankenkasse.
  • Umlage zur Insolvenzgeldversicherung („INSO“ oder „U3“)
    Auch diese Umlage in Höhe von 0,15% ist eine Pflichtumlage

In Summe sind somit derzeit neben dem Bruttogehalt in Deutschland rund 23% Lohnnebenkosten zu bezahlen.

Lohnnebenkosten

Neben dem Bruttolohn für Ihren Arbeitnehmer müssen Sie noch einiges an Lohnnebenkosten einplanen. Hier eine beispielhafte Berechnung für die vom Arbeitgeber zu zahlenden Beträge bei einem monatlichen Bruttolohn von 2.100 Euro

 

Im Fall eines Minijobs („geringfügige Beschäftigung“, Verdienst bis 450 Euro monatlich) ist die Arbeitszeit, die für den Erhalt der bis zu 450 Euro geleistet werden muss, frei verhandelbar. Es müssen keine Beträge für die Arbeitslosen- und die Pflegeversicherung abgeführt werden. Die übrigen Abgaben sind pauschal geregelt:

  • Pauschalbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung (13%)
  • Pauschalbeitrag zur Rentenversicherung (18,9%, davon in der Regel 15% durch den Arbeitgeber, 3,9% durch den Arbeitnehmer)
  • Pauschale Steuerabgabe (2%)
  • Umlage für Krankheitsaufwendungen „U1“ (0,7%)
  • Umlage für Mutterschaftsaufwendungen „U2“ (0,14%)
  • Arbeitgeberanteil zur gesetzlichen Unfallversicherung (individuell)
  • Umlage zur Insolvenzgeldversicherung „INSO“ (0,15%)
Lohnnebenkosten Minijob

Auch bei einem Minijob fallen einige Lohnnebenkosten an, hier dargestellt sind beispielhafte Arbeitgeberanteile für einen Monatslohn von 400 Euro

(Hinweis: Die oben genannten Prozentsätze der verschiedenen Lohnnebenkosten sind teilweise abhängig von der Krankenkasse oder auch der Art der Tätigkeit. Die hier genannten Werte stellen lediglich eine Orientierungshilfe dar.)

Gerade in der Gründungs- bzw. Anfangszeit eines Immobilienmaklerbüros gibt es unzählige organisatorische Aufgaben, bei welchen es verlockend ist, sich Hilfe zu beschaffen. Sie sollten aber unbedingt so lange mit den erheblichen finanziellen Belastungen warten, bis es wirklich gar nicht mehr alleine geht. Eher können Sie in der Anfangszeit versuchen, vielleicht auch mal Bekannte oder Verwandte zu motivieren, Ihnen z.B. beim „Telefondienst“ unter die Arme zu greifen.

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