Adressfreigabe bei Online-Immobilienangeboten

Die Suche nach Immobilien im Internet wird immer komfortabler und ist inzwischen mit fast 100% Marktabdeckung das Mittel der Wahl für die erfolgreiche Objektvermittlung. Hierbei gibt es immer neuere Entwicklungen, die die Suche noch komfortabler und informativer machen. Für viele dieser Zusatzangebote, ganz speziell z.B. für die ortsbezogene Immobiliensuche, wäre es jedoch notwendig, dass Sie die Adresse der Immobilie frei geben – eine kontrovers diskutierte Einstellungsfrage.

Bisherige Praxis

Laut einer Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München* wird die Praxis der Adressfreigabe von Vermarktungsobjekten bereits jetzt sehr unterschiedlich gehandhabt. Nur etwa 15% der gewerblichen Anbieter haben alle Adressdaten frei gegeben. Immerhin knapp 40% haben angegeben, die Adressen zum Teil freigegeben zu haben. 12% haben die Anschriften nicht freigegeben, wären aber grundsätzlich dazu bereit.

Mit knapp 30% geben hingegen fast ein Drittel der gewerblichen Immobilienanbieter an, die Adressen nicht frei zu geben und auch nicht dazu bereit zu sein.

Freigabe von Adressdaten bei Online Angeboten

Diagramm: Anteil der freigegebenen Adressdaten, Quelle: Immostudie der LMU*

Wie so häufig gibt es bei jeder Medaille zwei Seiten. Auch das Veröffentlichen der Adressdaten hat Gründe die dafür und solche die dagegen sprechen.

Argumente für die Freigabe von Adressdaten

  • Die Kunden können schon vor der Besichtigung des Objekts entscheiden, ob ihnen die Umgebung zusagt. Zeitintensive Besichtigungstermine können Sie sich so ggf. sparen, wenn die Lage des Objekts für die Kunden ohnehin nicht in Frage kommt.
  • Viele Makler argumentieren, dass sie dem Kunden die Möglichkeit geben wollen, sich in Ruhe selbst einen Eindruck vom Objekt machen zu können.
  • Die Freigabe aller Daten für den Kunden macht für einen Teil der gewerblichen Anbieter einen seriöseren Eindruck.
  • Die Angabe der Anschrift ist notwendig, wenn die Immobilie über die Funktion der ortsbezogenen Suche auffindbar sein soll.

Argumente gegen die Adressfreigabe

  • An oberster Stelle wird die Angst genannt, dass der Interessent durch die Freigabe direkt Kontakt zum Eigentümer bzw. Vermieter aufnehmen könnte und Ihnen somit trotz geleisteter Arbeit die Provision entgeht.
  • Mancher Makler möchte den ersten Eindruck des Interessenten selbst beeinflussen und durch ein perfektes Arrangement das Objekt von Anfang an in ein optimales Licht rücken. Manches Objekt macht evt. auch nur von außen einen schlechteren Eindruck, als es tatsächlich ist.
  • Auch auf dieser Seite wird mit dem seriösen Eindruck argumentiert: manche Anbieter sehen es als seriöser, wenn sie nicht alle Daten sofort preisgeben.
  • Verschwindend gering (nur 0,4% der Nennungen) ist das Argument, das konkrete Umfeld durch die fehlende Angabe der Adresse in der Objektdarstellung gezielt verbergen zu wollen.

Ob Sie für ein Immobilienangebot die Adressdaten preisgeben oder nicht ist eine Grundeinstellungsfrage. Manche Möglichkeiten zur komfortableren Immobiliensuche oder zur umfassenderen Information über ein Objekt schon vor einem Besichtigungstermin und somit viele Möglichkeiten, die die moderne Immobiliensuche im Internet bietet, sind jedoch nur mit der Freigabe der Anschrift möglich.

 

*Digitale Medien in der Immobilienvermittlung: von ortsbezogenen Diensten bis hybrid TV
Prof. Dr. Thomas Hess, Dipl.-Volksw. Thomas Wagner, MBR
Ludwig-Maximilians-Universität
Fakultät für Betriebswirtschaft
www.wim.bwl.lmu.de
Veröffentlichung: Dezember 2012