Expertengespräch zur Zukunft des Maklerberufes

Immobilienmakler stehen heutzutage vor neuen Herausforderungen: durch politische Vorgaben und die Digitalisierung des Vermittlungsmarktes haben bzw. werden sich die Grundpfeiler der Maklertätigkeit gravierend ändern. Um die Veränderungen ins Positive zu lenken ist ein Umdenken in der Branche notwendig – zu diesem Schluss kommen drei Immobilienexperten in einem Pressegespräch und stellen sich die Frage, ob ein Systemwandel für den Maklerberuf nötig ist.

Nicht nur durch Veränderungen wie die immer schwieriger werdende Objektakquise sondern durch vor allem auch durch Änderungen in den Grundpfeilern der Maklertätigkeit selbst wird es einen Umbruch in der Branche geben. Über diese These haben Marc Stilke, CEO von Immobilienscout24, Martin Eberhardt Frics, Vorstandsvorsitzender der RICS Deutschland und Björn Dahler vom Maklerunternehmen Dahler & Company in einem Expertengespräch diskutiert.

Brauchen wir trotz Onlineportalen noch Makler?

Diese Frage wird von den Experten klar bejaht, wobei hier eine Unterscheidung zwischen reinen Nachweismaklern und dem serviceorientierten, fach- und sachkundlichen Makler unterschieden wird. Ein reiner Nachweismakler wird es immer schwerer haben, in Zeiten des transparenten Immobilienangebots auf den Online Portalen. Ein beratender Makler kann aber weit mehr, als es ein Immobilienportal kann. Das Know-how und die Expertise der Makler beschränkt sich nicht nur auf das reine Zusammenstellen von Fakten, sondern füllt eine Vermittler- und Beraterfunktion aus, die kein Onlineportal leisten kann. Darüber hinaus können sich Makler durch ein besonderes Serviceangebotals Qualitätsmakler beweisen.

Qualität und Ruf der Maklerbranche

Der Maklerberuf genießt bisweilen keinen ungeteilt positiven Ruf. Die Experten sind sich hier einig, dass eine Zulassungsbeschränkung im Sinne eines Sachkundenachweises für Makler Abhilfe schaffen würde, da es gerade im Privatkundenbereich noch viele schwarze Schafe bzw. reine Nachweismakler gibt. Derartige Qualitätsnachweise haben in vielen anderen Ländern zu Bereinigungen des Marktes und zum Überleben der qualifizierten Makler beigetragen.

Die Qualität der Makler hat sich allerdings auch in der letzten Zeit bereits tendenziell verbessert. Als ein möglicher Grund dafür wird die gestiegene Transparenz durch Bewertungssysteme im Internet genannt, durch welche der Druck auf die Makler angestiegen sei.

Zur Sicherung der Qualität und somit zur Rufverbesserung für die Immobilienmakler würde nach Meinung der Experten auch die Einführung des Bestellerprinzips beitragen. Dieses würde die meist als ungerecht betrachtete Verteilung der Courtage auf den Suchenden beseitigen, da der Makler in Zukunft von seinem Auftraggeber bezahlt werden müsste. Hierdurch ist zudem ein Qualitätsanstieg zu erwarten, da sich Makler hier um die Aufträge zu erhalten noch mehr ins Zeug legen werden. Schließlich prüft ein Auftraggeber, der den Makler selbst bezahlen muss, mit Sicherheit noch schärfer dessen Qualität.

Beauftragung eines Maklers

Zukünftig soll der Makler vom Auftraggeber bezahlt werden, nicht automatisch vom Suchenden. Bild: © gstockstudio – Fotolia.com

Systemwandel für den Maklerberuf

Einen gravierenden Systemwandel bei der Maklertätigkeit würde die Einführung des bereits oben genannten Bestellerprinzips bringen. Dieses birgt gewisse Chancen für eine anzustrebende Qualitätssicherung. Die Einführung wäre nach Meinung der Experten allerdings kein so umfangreicher Systemwandel, wie vielmals befürchtet. Im Geschäftskundenbereich ist durch den so genannten Transaktionsberater eine Bezahlung durch den Auftraggeber bereits Standard. Im Privatkundenbereich wird diese Regelung bereits in vielen anderen Ländern praktiziert. Die von der Politik erhoffte Eröffnung des Wohnungsmarktes für Personen, die sich die Courtage nicht leisten können, ist jedoch eine Wunschvorstellung. Da für den Vermieter in erster Linie die Bonität des Mieters für seine Entscheidung ausschlaggebend ist, werden Geringverdiener weiterhin schlechte Aussichten auf umkämpfte Objekte haben.

Als eine verbraucherfreundliche Alternative des deutschen Systems wurde das amerikanische Multiple Listing System genannt. Hier gibt es eine Auflistung aller verfügbaren Objekte auf einem Gesamtportal, welches nur für Makler zugänglich ist. Diese suchen hier gezielt für ihre Kunden nach passenden Objekten. Der große Vorteil für den Verbraucher ist hierbei, dass er sich nur noch an einen Makler wenden muss und nicht selbst zig verschiedene Objekte heraussucht und dafür jeweils einen anderen Makler kontaktieren muss.

Wenn ein Systemwandel durchgeführt werden sollte, müsste dieser marktumfassend stattfinden, Einzellösungen könnten sich nie durchsetzen. Hierbei wünschen sich die Experten ein transparenteres System für den Endverbraucher, welches allerdings zentral vom IVD eingeführt werden müsste. Mit einer kurzfristigen Änderung rechnet keiner der Experten.

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