Haften Makler für eine Schätzung des Verkehrswertes?

Kunden sehen in Immobilienmaklern oftmals mehr als nur reine Vermittler für einen Vertragsschluss zwischen Anbietern und Interessenten. Über diese Vermittlungstätigkeit hinaus wird im Makler häufig ein Berater und Wissensträger gesehen, weswegen viele Verkäufer sich Aussagen zum Wert ihrer Immobilie erhoffen. Doch ist das Bestandteil der Leistung eines Immobilienmaklers? Und was, wenn die Schätzung sich als falsch herausstellt?

Die Frage nach dem Wert einer Immobilie wird der Verkäufer dem Immobilienmakler mit Sicherheit stellen. Mit dieser Frage sollten Makler aber differenziert umgehen und sich ihre Aussagen wohl überlegen. Die Bandbreite, in welcher Detailtiefe hierauf geantwortet werden kann ist groß:

  • So kann sich der Makler im bestmöglichen Beratungsfall zum Sachverständigen für Immobilienbewertung fortbilden lassen und für seinen Kunden ein Wertgutachten erstellen. Diese Leistung kann er unabhängig von seiner Vermittlungstätigkeit jedem Interessenten anbieten, so auch seinen Kunden als Immobilienmakler.
  • Weniger konkret kann der Makler mit nur unverbindlichen Schätzungen über den Immobilienwert antworten und dabei deutlich darauf hinweisen, für belastbare Aussagen das Wertgutachten eines Fachmanns erstellen lassen zu müssen.
Makler schätzt Verkehrswert

Die Expertise des Maklers wird meist sehr geschätzt. Oft erwarten Verkäufer auch Aussagen zum Verkehrswert ihrer Immobilie; Bild: © Minerva Studio – Fotolia.com

Verpflichtender Teil der Maklerleistung

Sollte der Immobilienmakler jedoch einen qualifizierten Alleinauftrag über die Vermittlung der Immobilie haben, so gehört die Beratung über den Marktwert zu seiner geschuldeten Beratungsleistung. Eine Einschätzung kann also folglich in den meisten Fällen tatsächlich erwartet werden.

Wenn aber (noch) kein Alleinauftrag vorliegt und der Makler lediglich eine erste Abschätzung zum Marktwert der Immobilie abgibt, so ist es bisher noch umstritten, ob er zu diesen Aussagen tatsächlich verpflichtet ist. So gibt es Rechtsprechungen, die davon ausgehen, dass dies trotzdem zum Aufgabenbereich des Maklers gehört, andere hingegen sehen es als keine grundeigene Aufgabe des Makler an, für einen marktüblichen Preis zwischen den Verkaufsparteien zu sorgen.

Achtung: Haftungsansprüche drohen

Sobald der Makler eine konkrete Einschätzung des Marktwertes abgibt, sei es aufgrund seiner Verpflichtung aus dem Alleinauftrag oder aufgrund einer Funktion als Sachverständiger, so hat er den strengen Sorgfaltsmaßnahmen für Immobilienwertgutachter zu folgen und kann für seine Aussage sogar haftbar gemacht werden: Wenn der tatsächliche Immobilienpreis um mehr als 10% vom geschätzten Wert abweicht und hieraus dem Verkäufer ein Schaden entsteht, so haftet der Makler auf Schadensersatz.

Vertragliche Festlegung

In einem aktuellen Fall hat der Bundesgerichtshof die Unterscheidung darin festgelegt, ob der Vertragspartner des Maklers diesen vertraglich zu einer Beratung über den Marktwert verpflichtet hat. Hier gilt jedoch auch, wenn nur eine mündliche Absprache oder sogar nur entsprechendes „schlüssiges Handeln“ vorliegt – also beispielsweise eine an den Vertragspartner übergebene Rentabilitätsberechnung.

Folglich ist es dringend zu empfehlen, klare Vereinbarungen über die erwartete Leistung des Maklers zu treffen und ob für eine Schätzung des Verkehrswertes der Immobilie gehaftet werden muss. Auf diese Weise ist im Maklervertrag klar definiert, ob es sich ggf. um eine unverbindliche Schätzung des Maklers oder um eine belastbare Wertermittlung handelt – was Ihnen einen klaren Standpunkt verschafft, aber auch bei Ihrem Kunden falschen Erwartungen vorbeugt und eine ehrliche Beratungsleistung erwarten lässt.