Tricksereien beim Bestellerprinzip vermeiden

Viele Makler haben Existenzängste aufgrund des neuen Bestellerprinzips. Hiergegen sind nun schon die ersten Tricks in Diskussion, wie die neue Regelung umgangen werden kann. Von derartigen Schlupflöchern sollten professionell arbeitende Makler aber die Finger lassen.

Noch in der ersten Hälfte des Jahres 2015 soll das “Gesetz zur Stärkung des Bestellerprinzips bei der Wohnungsvermittlung” in Kraft treten. Kurz zusammengefasst beinhaltet dies den Grundsatz, dass derjenige den Makler bezahlen soll, der ihn auch beauftragt hat. Die bisherige Praxis war hingegen meist, dass der Vermieter einen Makler bestellt hat und der gefundene Mieter dessen Provision bezahlen musste – in der Regel 2,38 Nettokaltmieten inkl. Mehrwertsteuer.

Makler Schlüsselübergabe

Bisher war bei der Vermittlung einer Mietswohnung die Maklerprovision vom Mieter zu bezahlen. Bild: © Adam Gregor – Fotolia.com

Durch diese Verschiebung hin zum Vermieter erhofft sich die Politik eine Entlastung der Mieter und eine faire Übernahme der verursachten Kosten. Wurde nämlich erst mal ein Makler vom Vermieter eingeschaltet, war es für einen Interessenten nicht mehr möglich, die Wohnung ohne Fälligwerden der Courtage zu erhalten. Der Bundesjustizminister Maas (SPD) fasst deshalb den Gesetzentwurf unter dem Grundsatz “wer bestellt, bezahlt” zusammen und sieht diesen Grundsatz als eine Selbstverständlichkeit.

Gefahren für Immobilienmakler

Für Makler könnte diese Verschiebung zum Besteller jedoch Gefahren mit sich bringen. So vermuten drei Viertel aller Makler einen Umsatzrückgang durch das neue Gesetz. Ein Viertel der Makler sieht sich sogar existenzbedroht. Diese Ängste sind auch nicht ganz von der Hand zu weisen, schließlich werden Vermieter zukünftig ganz genau überlegen, ob sie nicht auf die Einschaltung eines Maklers verzichten und sich die Kosten somit sparen können.

Besonders ärgerlich für Makler wird es dann, wenn der aktuelle Gesetzentwurf in dieser Form beibehalten werden sollte. Dieser sieht nämlich zu allem Überfluss noch vor, dass der Makler nur dann Anspruch auf die Provision durch den Mieter haben soll, wenn die Wohnung explizit auf dessen Auftrag hin und somit “ausschließlich” für diesen Interessenten gefunden wurde. Nach der Ablehnung eines Objekts durch den potentiellen Mieter wäre dieses also für weitere Vermittlungen verbrannt.

Schlupflöcher gegen das Bestellerprinzip

Neben dem aktuellen Kampf gegen diese Ausschließlichkeitsklausel denken andere Makler zur Zeit an Tricksereien, mit welchen sie ihre Provision über rechtliche Schlupflöcher doch wieder vom Mieter verlangen können. So wurde jüngst ein Makler bekannt, der vorschlägt, dass künftig die Vermieter ihr Objekt im Internet auf schwer auffindbaren Seiten einstellen könnten. Knüpft der Makler nun Kontakt mit einem Suchenden, auf den dieses Angebot passen könnte, stößt er “rein zufällig” auf diese eigentlich schwer auffindbare Seite mit dem Angebot des Vermieters. Ganz offiziell hätte er somit aber allein im Auftrag des Mieters das Wohnungsangebot gefunden und der Mieter müsste die Provision bezahlen.

Andere Möglichkeiten bieten Absprachen mit den Vermietern, die die Kosten für die Provision im Umkehrschluss durch erhöhte Abschlagszahlungen für Inventar von den Mietern einfordern und somit die Courtage doch wieder vom Vermieter getragen werden müsste.

Von diesen Praktiken dringend abraten

Im Sinne des Ansehens der gesamten Branche sollten professionell arbeitende Makler von solchen Machenschaften dringend absehen. Der Ruf des Immobilienmaklers ist so schon nicht der beste und wird sich durch derartige Aktionen und das Aushebeln von Gesetzen noch erheblich verschlechtern.

Eine Lösung kann für jeden seriös arbeitenden Immobilienmakler nur sein, dass er durch hervorragende Leistung, ein gutes Serviceangebot und seine Expertise zum unentbehrlichen Partner für den Vermieter in der gesamten Vermittlungsphase wird. Schließlich wird jeder Vermieter bald erkennen, dass die Leistung eines Maklers weit mehr ist als eine Tür aufzusperren.

Seriöse Immobilienmakler könnten im Bestellerprinzip sogar die Chance sehen, die “Türaufschließermakler” aus der Branche zu bekommen. Denn wer den Makler bezahlen muss, wird dessen Leistungen noch mehr als bisher genau überprüfen. Die schon lange aus der Branche selbst geforderten härteren Aufnahmebestimmungen könnten sich somit durch den verstärkten Wettberwerb erübrigen.