Praxistipps zum neuen Widerrufsrecht

Auch Maklerverträge sind vom neuen Widerrufsrecht betroffen, welches es dem Kunden ermöglicht, bis zu 14 Tage nach Vertragsschluss von diesem ohne Angabe von Gründen zurück zu treten. Hierauf können Sie auf verschiedene Arten reagieren.

Das neue Widerrufsrecht betrifft alle Verträge, die außerhalb geschlossener Geschäftsräume zustande gekommen sind und ermöglicht dem Kunden ein Zurücktreten innerhalb von 14 Tagen. Dieser Rücktritt bedarf keiner Angabe eines Grundes und reicht formfrei. Besonders wichtig für Sie als Makler ist es, Ihre Kunden auf dieses Recht hinzuweisen und sich die Belehrung schriftlich bestätigen zu lassen (s. Artikel „Neues Widerrufsrecht bei Makleraufträgen“).

Wenig Realitätsbezug bei Immobilienmaklern

Dieses neue Widerrufsrecht für Fernabsatzverträge, das Verbraucher vor unüberlegten Kaufhandlungen schützen soll, ist jedoch bei Maklerverträgen nicht wirklich praxisnah. Eine im Internet bestellte Ware, deren Kauf man sich doch noch anders überlegt, kann zurückgegeben werden. Eine im öffentlichen Raum abgeschlossene Fördermitgliedschaft kann problemlos storniert werden. Wenn Sie als Makler aber einen Auftrag erhalten haben und sich zügig an die Arbeit machen arbeiten Sie die ersten 14 Tage ständig mit der Ungewissheit, ob Sie diesen Auftrag nicht vielleicht doch ohne eine Angabe von Gründen wieder entzogen bekommen. Um Ihren Provisionsanspruch zu sichern und nicht der Gefahr der nichtbezahlten Arbeit zu unterliegen, bieten sich vor allem drei Möglichkeiten an:

Abwarten

So bitter das für Ihren Kunden und auch für Sie sein mag: wenn nicht gerade ein konkretes Objekt in Aussicht ist oder der Kunde Zeitdruck hat, ist die logische Konsequenz für Sie, sich die ersten 14 Tage nicht gerade übermäßig für den neuen Auftrag ins Zeug zu legen. Was dieses Vorgehen allerdings für Auswirkungen auf das ohnehin durchwachsene Ansehen der Maklerbranche mit sich bringt, dürfte kein Geheimnis sein. Wenn möglich sollten Sie diese Möglichkeit also umgehen und lieber auf eine andere Möglichkeit zurückgreifen.

Makler wartet wegen Widerrufsrecht

Eine sehr unbefriedigende Lösung für die Unsicherheit beim neuen Widerrufsrecht für Makler: einfach abwarten; Bild: © auremar – Fotolia.com

Vertragsunterzeichnung im Maklerbüro

Lassen Sie sich den Maklervertrag in Ihren Büroräumen unterzeichnen. Somit handelt es sich bei dem Vertragsschluss um kein so genanntes „Haustürgeschäft“ und das Widerrufsrecht findet somit keine Anwendung. Sie können ab diesem Moment getrost mit Ihrer vollen Arbeitsleistung los legen.

Wendet sich also beispielsweise ein Interessent auf eine Anzeige an Sie und will sich die Wohnung unbedingt sofort sichern, muss er zu Ihnen in Ihre Geschäftsräume kommen und dort den Maklervertrag unterzeichnen, bevor er den Mietvertrag unterzeichnen kann. Ein Rücktritt aufgrund des Widerrufsrechts für Fernabsatzverträge ist somit nicht mehr möglich.

Verzicht auf das Widerrufsrecht

Eine rechtlich noch nicht 100%ig geklärte Variante ist der Verzicht des Kunden auf das Widerrufsrecht. In diesem Fall würde ein Kunde, der es besonders eilig hat ein Dokument unterzeichnen, in welchem er bestätigt, die Widerrufsbelehrung erhalten zu haben und in dem er Sie gleichzeitig unter Verzicht der Inanspruchnahme des Widerrufsrechts ausdrücklich damit beauftragt, bereits vor Ablauf der 14 tägigen Frist tätig zu werden. Hierzu fehlen allerdings bisher die Fallbeispiele aus der Rechtssprechung, eine völlige Stichhaltigkeit vor Gericht ist anzuzweifeln. Zudem liefert eine derartige Unterschrift alles andere als eine gute Vertrauensbasis für die Zusammenarbeit.

Da in Deutschland die Nebenkosten bei einem Immobilienkauf ohnehin sehr hoch sind, versuchen Kunden immer wieder, sich um die Maklerprovision zu drücken. Das neue Widerrufsrecht bietet hierfür möglicherweise eine weitere Möglichkeit und wird die Gerichtsverfahren in diesem Zusammenhang wohl eher zunehmen lassen. Lassen Sie sich in unsicheren Fällen deshalb unbedingt frühestmöglich von Ihrem Anwalt beraten.

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