Studie schätzt Auswirkung der Mietpreisbremse

2015 soll die Mietpreisbremse kommen. Diese soll für mehr bezahlbaren Wohnraum sorgen, indem die Miete bei Neuvermietungen an den ortsüblichen Mietpreis gekoppelt wird. Wie stark Wohnungsangebote hiervon tatsächlich betroffen wären hat nun eine Studie genau untersucht.

Der Gesetzentwurf zur Mietpreisbremse ist in den vergangenen Monaten stark diskutiert worden. Dieser sieht vor, dass die Miete für eine Wohnung bei Neuvermietung nur noch maximal 10% über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen darf – vorausgesetzt die Wohnungslage ist „angespannt“. Eine klare Definition des Begriffs „angespannt“ ist hierbei noch nicht konkret genannt. Außerdem ist die Anwendung Ländersache weshalb zu befürchten ist, dass derartige Definitionen nicht deutschlandweit identisch ausgelegt und somit gleich angewendet werden.

Studie untersucht Auswirkungen der Mietpreisbremse

Mit der Frage, wie weit der deutsche Wohnungsmarkt überhaupt von der Einführung dieses Gesetzes betroffen ist, hat sich nun eine Studie beschäftigt, die vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Auftrag gegeben wurde. Da die Mietpreisbremse nur für angespannte Wohnungsmärkte greifen soll und diese Situation am ehesten in Ballungsräumen vorkommt, wurde die Untersuchung für Köln und Berlin durchgeführt.

Dabei wurden im ersten Halbjahr 2014 rund 80.000 Vermietungsangebote untersucht, die auf der Onlineplattform Immobilienscout24 eingestellt waren. Die Stadtgebiete wurden hierfür in drei Kategorien eingeteilt:

  • gute Lage
  • mittlere Lage und
  • einfache Lage.

Ergebnisse für Berlin und Köln

Von den in Berlin untersuchten Wohnungsangeboten lagen in guter Lage stolze 72% der Angebote mindestens 10% über der ortsüblichen Miete. In mittlerer Lage waren 61% der Angebote 10% über dem ortsüblichen Mietspiegel und in einfacher Lage überschritten 41% der Inserate die 10%-Hürde.

In Köln liefert die Studie ein etwas anderes Bild: in guter Lage überschritten 43%, in mittlerer Wohnlage 24% und in einfacher Lage überraschende 87% mindestens 10% über den ortsüblichen Sätzen.

Auswirkungen Mietpreisbremse

Die Studie zeigt für Berlin und Köln sehr unterschiedliche Auswirkungen der Mietpreisbremse

In Köln ist somit ein erheblich größerer Anteil der angebotenen Wohnungen in einfacher Lage mehr als 10% über dem ortsüblichen Mietspiegel, als in Berlin. Hier sind dafür die gehobenen Lagen vermehrt über der Schwelle für die Mietpreisbremse.

Nicht abschätzbare Risiken

Insgesamt wäre also eine erhebliche Anzahl an Angeboten nach Einführung der Mietpreisbremse über der 10%-Grenze und müsste somit zukünftig günstiger angeboten werden. Diese Tatsache dürfte auf den ersten Blick viele Mieter freuen, doch für die Wirtschaft hätte diese Preisbremse erhebliche negative Auswirkungen. Wenn weniger Mieteinnahmen zu erwarten sind, werden sich zukünftig auch weniger Investoren für neuen Wohnungsbau finden lassen. Neubauten sollen von der Mietpreisbremse zwar noch ausgeklammert werden, doch lässt diese Ausnahme immer noch zu viele Unsicherheiten übrig und verkompliziert den gesamten Gedanken einer Mietpreisbremse.

Fest steht, dass es auf lange Sicht negative Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt nach sich zieht, wenn es weniger attraktiv wird, in Wohnungen zu investieren. Denn die Wohnungsnot durch die hohe Nachfrage lässt sich durch zwangsverordnete geringere Mieten nicht beheben.

Insgesamt ist zu befürchten, dass die Mietpreisbremse die Mieten in angespannten Wohnlagen nicht günstiger werden lässt, sondern höchstens weniger schnell steigen lässt. Das Kernproblem der hohen Mieten liegt schließlich nicht an einer möglichen Raffgier der Vermieter, sondern an der zu hohen Nachfrage im Vergleich zu einem zu geringen Angebot. Ein politischer Eingriff in dieses Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage bedeutet einen Einschnitt in den freien Markt, der möglicherweise weitreichendere Konsequenzen nach sich ziehen könnte, als momentan abzusehen ist.

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